The chronic goodbye. Or: Are we all masochists?

It seems that our generation loves to say goodbye. Which other possible reason is there for doing it constantly? Finishing school: Saying goodbye. Going abroad: Saying goodbye to home. Coming back home: Saying goodbye to new friends. Going to university: Saying goodbye to home again. Finishing Bachelor’s degree: Saying goodbye. Finishing Master’s degree: Saying goodbye. And while we are doing that, we attend summer schools, workshops, sport academies and loads of other things where we also have to say goodbye in the end.

Back in the days saying goodbye was something serious, something special, something associated with soldiers or emigrants. There are tons of songs and poems about the pain of farewell. And today? Even though some goodbye’s are still harder than others, we are so used to leaving places and people behind that it doesn’t seem to really matter anymore. It is weird to think about it like this. Because a heart is incapable of building up a protective cover. Because we still devote ourselves to the moment, we enjoy the time, we build up friendships, sometimes love. But all of this happens under the knowledge that it is just for a certain amount of time. Usually that’s what makes it more intense. And at the end everyone promises to stay in touch, to meet again. Which usually won’t happen.

Honestly, why are we doing this to ourselves on a regular basis? Are we all emotional masochists? Maybe is it just the burden of our time, the price we have to pay for all the possibilities we have. We have the choice. We could stay home, spend all of our time with the same people at the same place. But that would be so – boring. And limited.

So maybe there is only one recipe against the farewell pain. Having a home, having good friends no matter how far away they might be. Having something to go back to. Because in this case the joy of reunion equalizes the pain of farewell. Hopefully.

Eine Insel, eine Furzkanone und zwei Schnarchnasen

Ausflugsziel: Isle of Skye, Schottland

Teilnehmer: M.K. (AUS), J.B. (USA), B.M. (USA), P.H. (GB), S.B. (GER)

Samstag, 08:00: Wir schälen uns seufzend aus den Kissen, die Nacht war kurz und die Muskeln schmerzen nach traditionellem Gehopse zu schottischen Klängen. Doch die raue Natur ruft und um neun Uhr haben wir das Auto bestellt.

09:00: Wir sind immer noch im Studentenwohnheim, P. scheint die Nacht durchgemacht zu haben und schreibt zwar Nachrichten, erscheint aber einfach nicht.

09:45: P. taucht endlich auf, verschwindet kurz darauf wieder, um sich Taschentücher zu holen. Das ist dann auch ungefähr das einzige Gepäck, das er mitnimmt.

11:00: Nach einer Stunde Wartezeit in der völlig überfüllten Autovermietung haben wir endlich den Schlüssel in der Hand. P. und J. liegen draußen auf dem Bürgersteig und schlafen. Was ist das eigentlich für ein seltsamer Geruch, der hin und wieder an mir vorbei weht?

13:00: Fahren, fahren, fahren. Die anderen haben keinen internationalen Führerschein, also ist die Sitzverteilung recht klar. M. ist für das Entertainment verantwortlich und gibt sich redlich Mühe, während die Herren der Schöpfung hinten was tun? Natürlich schlafen.

14:00: Atmet P. eigentlich noch? J. ist sich da nicht so sicher und plant bereits, wie wir den toten Körper im schottischen Hochmoor möglichst unauffällig versenken können. Es riecht schon wieder so komisch… Muss man als Dichter morbide sein? J. scheint mit seinen Versen recht erfolgreich zu sein, aber dieses ständige Gerede über Tod nervt. Er saß scheinbar noch nie mit jemandem im Auto, der gerne mehr als 100 Stundenkilometer fährt. Ab und zu höre ich ein entsetztes Schnaufen, wenn wir um die Kurven fahren.

17:00: Jetzt schlafen alle. Es regnet und im Radio läuft „The Boxer“ von Simon und Garfunkel. Was für ein lustiger Ausflug!

17:30: Wir beziehen unser Hotel auf dem Festland und beschließen, eine Runde über die Insel zu fahren. P. war kurzzeitig wach, das einzige, was er bisher gesagt hat, war: „Ich habe Heuschnupfen, deswegen bin ich so müde.“ M. und ich sitzen schon im Auto, als die Jungs auf uns zusteuern. Sie betrachtet P. eingehend und sinniert schließlich: „What a funny man. Paul Fucking Henry.“ Ich kriege meinen ersten Lachanfall und J. Panikattacken, während ich glucksend durch riesige Pfützen steuere. Es regnet immer mehr.

18:00: Immer noch im Auto. Ich habe den starken Verdacht, dass B. ein paar Probleme hat, schottisches Essen zu verdauen. Dieser Geruch ist durchdringend, M. öffnet unauffällig ihr Fenster. Die Landschaft ist atemberaubend: massive, grasbewachsende Berge, unzählige kleine und große Wasserfälle und überall Schafe mit Hörnern. Es fühlt sich so an, als ob wir in einer geheimnisvollen Unterwasserwelt gelandet sind.

22:00: Zurück im Hotel. Nach der stundenlangen Schlaferei scheinen die männlichen Teilnehmer dieser Exkursion aufzutauen und beschließen, den Abend mit einem Trinkspiel zu beenden. Ich bin so müde, dass ich nach zwei Drinks weder in der Lage bin, weiter Englisch zu sprechen, noch meine Augen aufzuhalten. Als J. anfängt, einen Monolog über Modernism zu halten, schlafe ich ein.

Sonntag, 10:00: Wir sind seit einer Stunde zum Frühstücken verabredet, bisher sind aber nur B., M. und ich anwesend. Oh Gott, er frühstückt schon wieder Bohnen!

11:00: Ich bin kurz vor einer Gewalttat, als P. und J. sich endlich bequemen, das Zimmer zu verlassen und zum Auto schlendern. Wie schön es doch ist, dass die Amerikaner überhaupt keine andere Sprache sprechen als ihre eigene, meine deutsche Schimpftirade lassen sie gezwungenermaßen über sich ergehen. Heute fahre ich noch ein bisschen schneller, das haben sie verdient.

11:30: B. kennt keine Gnade, es stinkt einfach unglaublich und er ist sich mittlerweile auch nicht mehr zu schade, seine Ausdünstungen zuzugeben. Außer ihm findet das aber irgendwie niemand lustig.

12:30: Wir starten unsere Wanderung am nördlichen Ende der Insel. Karge Felsformationen, wuschelige Hochlandrinder mit riesigen Hörnern und saftige Wiesen prägen die Landschaft, die kleinen weißen Häuser sind die einzigen Farbtupfer im unendlichen Grün. P. leidet mittlerweile, natürlich stumm, unter der Tatsache, dass er keine Regenjacke mithat.

13:30: Sonne und Wolken wechseln sich ab, es regnet immer wieder und unsere Füße sind mittlerweile völlig durchnässt. Schön ist es trotzdem.

17:00: Zurück im Auto. B. und P. haben auf dem Rückweg noch Bekanntschaft mit dem schlüpfrigen schottischen Boden gemacht und sitzen jetzt wie zwei matschige Häufchen Elend auf dem Rücksitz. Ach egal, nach zehn Minuten schlafen sie einfach wieder.

21:30: Ich habe beschlossen, die schottischen Geschwindigkeitsbegrenzungen großzügig auszulegen und wir trudeln nach nur gut vier Stunden wieder in Edinburgh. Die Moral von der Geschichte? Ein Wochenendtrip ist manchmal mehr als genug, um Leute so gut kennenzulernen, dass danach klar ist, mit wem man Zeit verbringen möchte und wem mit lieber nicht. Ohne die grandios lustige M. wäre es ein Horrortrip gewesen. Ein stinkender, wohlgemerkt.

Frisch und froh im Whiskeyland

Der gemeine Schotte ist so hilfsbereit, dass es manchmal schon fast absurd ist. Am Flughafen von Edinburgh will ich den Zug nehmen, um ins Stadtzentrum zu gelangen. Prinzipiell ist mir klar, zu welcher Station ich muss und wie es dann weitergeht. Doch ich habe noch keine zwei Sekunden auf den Display des Ticketschalters geguckt, als ein freundlicher Jüngling in Uniform neben mir steht. Wo ich hinwolle, fragt er mich mit einem strahlenden Lächeln. Als ich den Namen meines Hostels nenne, druckt er mir nicht nur prompt mein Ticket aus, sondern gibt mir auch noch einen Stadtplan, in den er bereits meinen kompletten Weg von der Station aus eingezeichnet hat. Im Zentrum von Edinburgh steige ich aus dem Zug und will gerade den Plan öffnen, als zwei Straßenkehrer beflissentlich zu mir eilen und fragen, wo ich hinmöchte. Ich lasse den Plan ungeöffnet und nach einer kurzen Diskussion sind die Herren sich einig und lotsen mich in die richtige Richtung. Ich marschiere los und möchte drei Straßen weiter einen kurzen Blick in den Stadtplan werfen, um mich einmal kurz zu orientieren und zu verstehen, wo genau ich mich in dieser Stadt befinde. Keine Chance, der Securitymann vor dem Juwelier steht sofort Spalier bei Fuß, um mich nach meinem Ziel zu fragen und mir den kürzesten Weg zu erklären. Verlaufen kann ich mich jetzt definitiv nicht mehr, ich würde aber TROTZDEM gerne mal kurz in den Plan schauen.

Aber wie überall auf der Welt gibt es (Gott sei Dank) zwei Seiten der Medaille. Die Schotten können auch anders: Ich laufe mit M. durch die Straßen von Edinburgh und in einer Baustelle gehen wir relativ dicht hinter einem älteren Mann, der offensichtlich ein Problem damit hat. Seine Schultern spannen sich immer mehr an, bis er schließlich zur Seite tritt und uns mit einem lautstarken „Bloody Hell!“ passieren lässt. In der ersten Woche sind das allerdings auch schon fast die einzigen schottischen Worte, die ich verstehen kann. Dieser Akzent ist eine Herausforderung…

Ein Plädoyer für weniger Furcht

Ich habe gestern mich selbst getroffen und zwar in der Version von 2006. Eine Abiturientin, die gerade ein Au-Pair Jahr in der vibrierendsten Stadt Europas macht, der die Welt offen steht und die sich trotzdem vor allem eins macht: Sorgen. Darüber, was sie studieren soll und will, darüber, wie sie ihr Leben generell gestalten und ihre Prioritäten setzen wird.

Es gibt diese Momente und Zeiträume im Leben, wo Entscheidungen getroffen werden müssen und komischerweise führt das oft  dazu, dass man eher Angst hat als diese Freiheit wertzuschätzen.  Zuviel Auswahl kann verrückt machen, woher soll man denn wissen, dass man am Ende das richtige wählt? Jetzt, zehn Jahre später, weiß ich immerhin, dass es sowas wie ein Ende nicht gibt. Mit 19 habe ich gedacht, dass alle Entscheidungen, die ich treffe, unwiderruflich mein Leben gestalten. Tatsächlich habe ich festgestellt, dass es unendlich viele Abzweigungen gibt, an denen man sich immer wieder neu entscheidet. Die ganze Angst und die ganzen Sorgen lähmen nur und so vieles von dem, was ich früher befürchtet habe, hat sich dann ganz anders entwickelt. Wobei früher jetzt ein diffuser Begriff ist, vor der Reise habe ich mich ebenfalls mit Herzklopfen gewunden.

Ich konnte mir gestern folgendes sagen: „Du brauchst keine Angst zu haben! Egal, wofür du dich entscheidest, es wird auf irgendwelchen verschlungenen Wegen, die du jetzt ohnehin noch nicht abschätzen kannst, das richtige sein.“ Und irgendwie bereue ich mittlerweile lieber Dinge, die sich im Nachhinein dann doch nicht als so grandios herausstellen, als sie von Vornherein überhaupt nicht zu machen.

Die Zeit danach. Oder dazwischen?

Das Problem nach einer Reise um die Welt ist: Es ist nicht mehr so wie davor. Ich bin wieder zu Hause und das schon seit zwölf Wochen. Die kaum zu ertragende Sehnsucht nach dem ständig-Neuen, das Vermissen der Reisepartner, die Unlust, nur noch Deutsch zu sprechen – all das ist weniger geworden. Ich habe mich wieder eingewöhnt, ich wohne wieder in derselben Wohnung wie vorher, fahre wieder dasselbe Auto und treffe meine alten Freunde. Alles Dinge, die ich extrem schätze und die ich brauche. Und doch sind diese Handlungen unterlegt mit einem neuen Gefühl. Es ist diffus und ich finde keinen Begriff, der zu hundert Prozent darauf passt. Es ist das Sehnen nach Freiheit, die Suche nach dem puren Ich, der Wunsch nach dem Unbekannten, dem intensiven Gefühl. Mein Geist will nicht akzeptieren, dass diese Art Glück nur temporär gewesen sein soll. Und es lässt mich nicht los, es treibt mich um, lässt mich schlecht schlafen.

Ich sitze in einem Büro und fühle einen übermächtigen Fluchtinstinkt in mir aufsteigen. Einfach weglaufen, alles zurücklassen, um zu finden, was mir fehlt. Ja, es ist irgendwie armselig und vielleicht ein Luxusproblem. Da gehe ich auf Reisen, sehe die Welt und bin mit nichts mehr zufrieden, wenn ich zurück komme? Ich habe mich nie für jemanden gehalten, dem so etwas passiert. Aber das Gefühl ist da und Glück lässt sich nicht einreden. Ich kann klar sehen, wie unfair es jenen vorkommen muss, die hier geblieben sind. Aber auch das ändert nur mein Verhalten und nicht das, was in meinem Herzen vor sich geht.

Es ist, als ob sich im Inneren etwas verschoben hat und ich keine Möglichkeit habe, das wieder rückgängig zu machen. Von dem Risiko hat mir niemand erzählt und ich glaube, das kennt auch keiner, der es nicht erlebt hat. Es gibt Reisen, von denen man nicht mehr ganz zurückkommt.

Leben mit Pferden

Diego ist ein Gaucho. Ein echter, genau wie auf den vielen Bildern, die in ganz Argentinien die Seele dieses Landes abbilden. Er ist klein, spricht nicht viel und seine Zähne sind dunkel vom Kauen der Kokablätter. Wobei die ohnehin nicht allzu oft zu sehen sind, denn Lächeln gehört nicht zwangsläufig zu den alltäglichen Gewohnheiten des Gauchos. Wenn man ihm auf der Straße begegnet, könnte man ihn gut und gerne für einen leicht grummeligen Nordargentinier halten, mit den für die Region so typischen rot geränderten Augen.
Aber all diese oberflächlichen Eindrücke verblassen, sobald Diego auf einem Pferd sitzt. Seine Art und Weise mit den Tieren umzugehen ist so beeindruckend, dass man die Augen kaum abwenden kann. Er scheint nicht auf dem Rücken des Pferdes zu sitzen, sondern vielmehr darin. Winzige Bewegungen, ein kurzes Schnalzen mit der Zunge und Gewichtsverlagerungen prägen die Kommunikation der beiden und das System funktioniert ohne Einschränkungen. Mit den deutschen Vorstellungen von Dressur haben die Gauchos ungefähr so viel gemein wie Lionel Messi mit Manuel Neuer. Alles wirkt natürlicher, rauher und trotzdem nicht weniger perfekt. Es ist faszinierend, wenn Diego auf ein Pferd steigt, dann wird aus einem Gras fressenden und gemütlich dahintrottenden Gaul in Sekundenschnelle ein feuriges Ross.

Auch wenn viele der Gauchos durchaus verheiratet oder zumindest liiert sind, die meiste Zeit ihres Lebens verbringen sie mit den Pferden. Jeder von ihnen reitet seit Kindesbeinen, in den meisten Fällen wird der Beruf vom Vater oder Großvater auf die nächste Generation weitergegeben. Zwar sind die meisten Gauchos männlich, es gibt aber auch einige wenige Gauchas.
Die klassische Tätigkeit der argentinischen Cowboys ist die Arbeit mit den riesigen Rinderherden in der Pampa. Allerdings können sie ihr Geld mittlerweile auch auf andere Art und Weise verdienen, indem sie beispielsweise Touristengruppen betreuen oder sich von einem Polospieler anstellen lassen.
Es gibt übrigens dann doch eine totsichere Methode, einen Gaucho zum Lächeln zu bringen. Gegen Komplimente und Bewunderung sind nämlich auch die männlichsten unter ihnen nicht gewappnet…

The Unbearable Beauty of Vastness

What is the best thing about travelling? Driving new roads, walking unknown paths. And sometimes finding the ones, that don’t just lead you to a new region but touch the soul in an unknown way. The ones that give wings, the ones that speak to the heart with their pure beauty.
Argentina, the road from El Calafate to El Chaltén. Endless prarie, hills and sky. The feeling of being really small. And at the same time awake like never before, the thoughts free themselves in this vast landscape. They speed up over the lowlands, ascent with the mountains. Freedom, real freedom seems to be possible. The lonely road to infinity, while skeletons of Alpakas at the curbside are a reminder that nothing is forever. Everything that matters fades away in the distance. It is simultaneously beautiful and intimidating.
Redemption eventually, right before the vastness becomes too much to bear. At the horizon appears a massive mountain range with the Monte Fitz Roy in the middle. Proud, solid, stonelike. It grounds and recaptures everything that lost its meaning in no man’s land. The closer they get, the further their shadows reach into the wide land in front of them. In the twilight all the hills darken until the sun reaches only the highest summit before she disappears.

 

Die Unerträgliche Schönheit der Weite

Was das Besondere am Reisen ist? Neue Straßen fahren, unbekannte Wege gehen. Und manchmal auf jene zu stoßen, die einen nicht nur geografisch in eine neue Region bringen, sondern die die ganze Seele berühren. Die dem Geist Flügel verleihen, das Herz durch ihre schiere Schönheit erweitern.

Argentinien, der Weg von El Calafate nach El Chaltén. Endlose Prärie, Hügel, unfassbar viel Himmel. Das Gefühl, ganz klein zu sein. Und andererseits offen wie selten, als ob die Gedanken freier werden in dieser Landschaft, über die weiten Ebenen an Tempo gewinnen und an den Bergen Aufwind kriegen. Freiheit, wirkliche Freiheit, scheint plötzlich möglich zu sein. Die einsame Straße in die Endlosigkeit, einzelne Alpakaskelette am Rand erinnern daran, dass nichts unendlich ist. Alles was normalerweise wichtig ist, scheint sich in der Ferne zu verlieren. Es ist wunderschön und gleichzeitig einschüchternd.

Dann schließlich die Erlösung, als man glaubt, die Weite nicht mehr ertragen zu können. Am Horizont das riesige und wundervolle Bergmassiv rund um den Monte Fitz Roy. Stolz, fest, steinern gibt es wieder Halt, fängt ein, was im Niemandsland an Bedeutung verloren hat. Je näher sie kommen, umso weiter reichen die Schatten der Berge in das weite Land vor ihnen hinein. In der Abenddämmerung werden alle Hügel dunkel, bis die Sonne nur noch den höchsten Gipfel erreicht.

 

W wie Wind

Neuseelands Natur ist eine Sexbombe. Von allem viel, in allem üppig, nicht allzu groß aber mit perfekten Rundungen. Dagegen ist Patagonien ein Supermodel. Lang, schlank, an vielen Stellen eher karg, manchmal fast ein wenig abweisend, aber gleichzeitig nicht weniger wunderschön. Die gewaltige Natur im Süden Argentiniens und Chiles lässt sich im Torres del Paine Nationalpark relativ unkompliziert erlaufen. Es gibt verschiedene Routen, die durch den Park führen, einige davon dauern mehr als zehn Tage. Doch auch in drei bis vier Tagen, auf dem so genannten W-Trek (heißt so, weil man von oben betrachtet die Forn eines Ws abläuft), locken unglaubliche Panoramen, Gipfel, Seen und vor allem sehr viel Wind.
Wir starten von Osten nach Westen und haben dadurch gleich das erste Highlight am Ankunftstag. Vier Stunden wandern über steinige Wege, durch sattgrüne Wälder, entlang an einem reißenden Bergfluss und schließlich die letzten sechzig Minuten über ein steiles Geröllfeld, dann stehen sie plötzlich vor uns: Die Torres, Namensgeber des Parks und imposant anzusehen mit ihren schroffen, fast senkrechten Wänden.Der höchste der drei Felszacken ist knapp 2900 Meter hoch und von einer arroganten Schönheit, weder freundlich noch einladend und absolut beeindruckend. Schon hier gibt der patagonische Wind einen Vorgeschmack auf seine Kraft, Splitter und Sand fliegen durch die Luft und sorgen für allgemeines Husten und Augenreiben. Während der Nacht auf dem Campingplatz Las Torres zieht die Geschwindigkeit weiter an. Glücklicherweise fliegt uns das Zelt aber erst um halb neun komplett um die Ohren und da ist ja ohnehin Zeit zum Aufstehen. Der zweite Tag ist im Gegensatz zum vorigen fast schon erholsam, knapp fünf Stunden lang laufen wir bei herrlichstem Sonnenschein am Ufer des riesigen Lago Nordernskjöld entlang. Immer wieder müssen wir dabei den Gauchos auf ihren wendigen Pferden Platz machen, die im Park Vorräte und anderes von A nach B bringen. Auf den schmalen und felsigen Wegen sind sie meistens im Galopp unterwegs, dabei kichern und gurgeln sie die ganze Zeit und sehen überhaupt außerordentlich zufrieden aus. Nach zwei Dritteln der Strecke erheben sich vor uns die Los Cuernos, drei mächtige Bergspitzen, deren untere Hälfte ganz hell und der Rest beinahe schwarz ist. Mit ihnen zur Rechten und dem hellblauen See, der auf der anderen Seite von sanften, grünen Hügel gesäumt wird, zur Linken, stolpern wir bis zum Campingplatz. Eher falle ich hin, als meinen Blick von dieser spektakulären Szenerie zu lösen. Was dabei auch auffällt: Der See schlägt immer mehr Wellen, weiter westlich scheint der Wind noch stärker zu sein als ohnehin schon. Auf dem Platz bestätigt sich dieser Eindruck. Die Rezeption scheint kurz vor dem Auseinanderfallen, die Windstärke beträgt laut der gelassenen Mitarbeiterin mittlerweile fast 100 Stundenkilometer. Die Fenster wackeln, vor der Tür wanken vereinzelte Backpacker durch den Sturm. Wir werden zu unserem Zeltplatz gelotst, J. verliert jegliche Fassung: „Wie soll das denn funktionieren?“ Statt auf dem Boden sollen die schützenden Hüllen hier auf Holzplattformen stehen, zur Verankerung dienen einzelne Haken. Nach einer Stunde, zwei Nervenzusammenbrüchen, einem Lachanfall und viele Ohrfeigen durch Zeltplanen, Schnüre und Äste steht das gute Teil dann. Beim Abendessen platzt in der Küche ein Fenster durch den Wind, meine Sitznachbarin muss daraufhin ihre Brille aufsetzen, um kleine Glassplitter aus ihrem Dessert zu fischen.
Am nächsten Tag soll der Weg uns in den mittleren W-Strich führen, allerdings machen Wind, Regen und Nebel einen Strich durch die Rechnung, das Valle Frances ist gesperrt. Deswegen geht es direkt weiter Richtung Refugio Paine Grande und dabei durch jenen Teil des Parks, in dem vor einigen Jahren heftige Brände wüteten. Es sieht bizarr aus, die grau-schwarzen kahlen Bäume inmitten von bunten Frühlingsblumen, Bächen und Wiesen. Der Teil der Strecke ist abgesehen von den Brandnarben durch sanfte Landschaften geprägt, wir laufen Hügel rauf und runter, über Holzstege durch Morast und Sümpfe und durch kleine Wäldchen. Nach sechs Stunden Marsch im Regen sind wir zwar durchtränkt, aber vollkommen erfüllt von der Schönheit, die uns umgibt.
Der nächste und letzte Tag beinhaltet dann noch ein weiteres Highlight. Durch ein schmales Tal und über steinige Wege nähern wir uns dem Grey Gletscher. Einzelne Eisberge in den Seen unterhalb des Weges kündigen schon weit vorher von dem gewaltigen Eisriesen. Als wir die letzte Kuppe überschreiten, liegt er plötzlich vor uns. Und auch, wenn ich schon andere Gletscher gesehen habe, die Größe des Greys überrumpelt mich vollkommen. Das ewige Eis scheint bis zum Horizont und weiter zu reichen, eine weiße Wüste, unwirklich, atemberaubend. Der Wind pfeift hier mit reißender Geschwindigkeit und trägt die Gletscherkälte mit sich. Die Augen tränen, die Haare wehen, Nasen und Finger werden steif, aber wir können uns raum rühren, so andächtig betrachten wir dieses Naturwunder im südlichen Zipfel des amerikanischen Kontinents. W wie Wind, W wie Wildnis, W wie Wunderschön.

Frauen, die auf Wellen starren

Meine Lieblingstiere sind in der Regel groß und schwer. Ich liebe zum einen Elefanten und zum anderen Wale, vor allem die riesigen, die sich schwer finden lassen. Elefanten habe ich in meinem Leben ein paar Mal gesehen, aber die Wale sind mir bisher einfach immer durch die Lappen gegangen. Zwei professionell geführte (und natürlich schweineteure) Whale-Watching-Touren haben dafür nicht gereicht, aber jetzt muss es doch einfach so weit sein.
Ich befinde mich schließlich für mehr als sechs Wochen in Australien und Neuseeland, wo die Wale ja nur so aus dem Wasser springen, wenn man den allgemeinen Erzählungen glauben schenkt.

Tag 1 der Walsuche, Sydney: Ich sitze auf einem Felsvorsprung auf halbem Weg zwischen Bondi und Tamarama Beach. Vor mir liegt er da, der riesige pazifische Ozean in all seiner Pracht und Größe. Das Wasser ist ruhig und die Luft so klar, dass ich fast noch den Namen auf den Frachtdampfern lesen kann, die am Horizont vorbei ziehen. Hier scheint alles zu stimmen, also warte ich. Auf ein Blasen, auf einen grauen Schatten, einfach auf irgendetwas, das auf Wale hindeuten könnte. Sehen tue ich so einiges und je länger ich auf die Wellen starre, umso mehr Wale scheinen mehr oder weniger direkt vor mir rumzutollen. Leider stellt sich jedes einzelne dieser Anzeichen im Nachhinein als ein Stein, ein Strudel oder Seetang heraus. Nach zwei Stunden ist mein Po eingeschlafen und ich gebe auf.

Tag 2 der WS, Sydney: Große Aufregung in der Stadt! Heute morgen ist in der Bucht vor Sydney eine Buckelwalmutter mit ihrem Baby gesichtet worden. Nur wenige Meter von der Fähre entfernt, die die Pendler ins Zentrum bringt, sind die beiden mehr als anderthalb Stunden an einem Ort geblieben. Herrlich…Wo war ich? Im Bett. Toll.

Tag 11 der WS, Queenstown: Mir tun die Augen weh, so angestrengt habe ich die vergangene Tage auf das Meer rund um Sydney geglotzt. Ein paar Mal war ich fest davon überzeugt, einen Wal oder einen Delfin (das wäre ja auch schon schön) gesichtet zu haben, aber wie ich feststellen musste, haben Möwen eine verblüffende Ähnlichkeit mit Buckelwalen. Zumindest aus der Ferne. Jetzt bin ich erstmal an einem See und entspanne mich gezwungenermaßen.

Tag 12 der WS, Milford Sound: Endlich ein Erfolgserlebnis! Wir sind auf einer Tagestour im Milford Sound und auch hier lassen sich ab und zu die größeren Meeresbewohner blicken. Regen und Wind haben mich nicht davon abhalten können, die gesamte Zeit auf dem Oberdeck zu verbringen und die Mühe wird belohnt. Die Sonne kommt raus und als wir uns schon wieder auf dem Anlegeplatz befinden, ist er plötzlich da: Ein großer Delfin, der munter unter unserem Boot hindurch taucht und für allgemeines Gekreische bei den weiblichen Fahrgästen sorgt. Alle rennen über die glatten Planken, die Chinesin im Regencape fällt vor lauter Aufregung fast vom Schiff und tatsächlich zeigt sich die graue Rückenflosse noch ein paar Mal, bevor er wieder genau so schnell verschwindet wie er gekommen ist.

Tag 17 der WS, Abel Tasman National Park: Wir haben eine Tagestour gebucht, die so einiges verspricht. Wandern, Wassertaxi fahren, Kayaken und natürlich die Chance, einen Blick auf Seehunde und vielleicht sogar Orcawale zu werfen. Die Tour beginnt gut, wir sichten direkt einen dicken Seehund, der sich auf den Tiefen der Meerenge einen Oktopus geangelt hat und ihn voller Wonne verspeist. Orcas sind allerdings unauffindbar, auch wenn meine trügerischen Augen wieder mehr als einmal davon überzeugt sind, einen der schwarz-weißen Prachtkörper gesichtet zu haben. Aber wir kriegen noch eine Chance, denn die zweite Tageshälfte gehört den Kayakbooten. Nach intensiver Einführung geht es aufs Wasser und anfangs sind wir euphorisch. So dicht am Wasser kann das lang herbeigesehnte Erlebnis doch nur funktionieren. Doch eine halbe Stunde später beherrschen ganz andere Themen unsere Gedanken. Wieso sind alle anderen schneller als wir? Wieso treiben wir permanent in eine andere Richtung als beabsichtigt? Wie kann es sein, dass der verdammte Ozean an den Strand rollt, wir aber nicht? Und wieso kommen wir einfach überhaupt nicht vorwärts? Meerestiere sehen wir auch nicht und kurz bevor wir endlich auf die Sandbank gleiten, reißt A. der Geduldsfaden: „Die soll jetzt noch ein Foto von uns in diesem Dreckskayak machen und dann nichts wie weg!“

Tag 18 der WS, irgendwo auf dem Weg nach Süden: Ein Schild am Straßenrand weist darauf hin und die Gasse, die zum Strand führt heißt auch genau so. Eine Seal Colony, also eine Kolonie von Seehunden (-löwen, Robben, da bin ich mir nie so sicher), befindet sich ganz in unserer Nähe. Wir biegen ab und es zeigt sich mal wieder: Das sind einfach die einzig verlässlichen Tiere im Ozean. Robben sind immer da, wo man sie erwartet, sie gucken stets irgendwie niedlich und liegen so schön gemütlich da, mit ihren speckigen Körpern.

Tag 19 der WS, Kaikoura: Jetzt aber! Wir sind in Kaikoura, dem Ort auf Neuseelands Südinsel, der direkt vor einem 800 Meter tiefen Meeresgraben liegt. Die hiesigen Bedingungen sorgen für eine ungewöhnliche Artenvielfalt, es gibt Pottwale, Delfine, Albatrosse und natürlich Robben. Das Meer ist spiegelglatt, als wir uns von unserem Hostel in Richtung Whale Watching Encounter aufbrechen. „Bei diesen Bedingungen sieht man die Tiere natürlich am leichtesten“, erklärt unser Host. Empfehlen tut er die Touren trotzdem nicht, denn: Pottwale sind keine Buckelwale. „Eigentlich sieht es immer ein bisschen so aus, als ob riesige Felsen im Wasser schwimmen. Die kommen alle 45 Minuten hoch, atmen ein bisschen und tauchen wieder ab, da sieht man nicht wirklich viel.“ Die eigentliche Attraktion im Ort seien ohnehin nicht die Wale, sondern die Delfine. Riesige Schulen von Dusky Dolphins schwimmen im Meer vor Kaikoura und verzücken mit Kunststücken aller Art und einer natürliche Neugier, die es erlaubt, mit ihnen im offenen Meer zu schwimmen. Man soll ja auf die Locals hören, also buchen wir kurzentschlossen das Definschwimmen.
Am nächsten Morgen um halb neun geht es los. Die Sonne scheint, das Meer glitzert und ein leichter Wind treibt den Geruch von Salz und Fisch in den Ort. Im Dolphin Encounter quetsche ich mich in einen extrem eng sitzenden Neoprenanzug. „Ist das richtig so?“ – „Ja, je enger, je besser“, belehrt mich die fröhliche Mitarbeiterin. Noch ein Paar Flossen und einen Schnorchel und schon sitzen wir im Bus Richtung Hafen.
Dort angekommen werden wir in zwei Boote verfrachtet und Richtung offener Ozean geschippert. Auf dem Weg sichten wir Albatrosse und Robben, der Tag beginnt vielversprechend. Rund zwanzig Minuten später ertönt der ersehnte Aufruf: „Dolphins!“ Das Herz unter dem tight sitzenden Neopren klopft schneller. Ehe ich es mich versehe, sitze ich auf dem Rand des Bootes, starre in die dunklen Wellen und auf die zwei Dutzend Rückenflossen, die kaum zwanzig Meter entfernt auf uns zusteuern. Ein lautes Tröten ertönt und ich stürze mich in die Fluten. Keine Luft! Zu eng! Zu viel Wasser! Zu kalt!! Zu viel Angst! Zwanzig Sekunden lang kämpfe ich mit dem Impuls, einfach umzudrehen und zurück ins Boot zu krabbeln. Dann tauche ich den Kopf unter Wasser und plötzlich sind sie da: Delfine, neben mir, unter mir, mit Babys, größer, kleiner. Manchen von ihnen sind wir scheinbar vollkommen egal, andere kommen näher und gucken mir direkt in die Augen. In der Einweisung haben sie gesagt, dass wir die Tiere nicht anfassen dürfen. Aber dort, mitten im offenen Meer, habe ich auch überhaupt keinen Impuls, die Delfine zu berühren. Es ist tatsächlich ein Privileg, kein Recht, für einen kurzen Moment ihren natürlichen Lebensraum teilen zu dürfen. Das sind wilde Tiere und der Ozean sicherlich kein Streichelzoo.
Dreimal springen wir an diesem Tag in die immer höher werdenen Wellen, am Ende wie berauscht vom Kontakt mit diesen herrlichen Kreaturen. Auf dem Weg zurück fordert die See ihren Tribut, vor lauter Aufregung und Seegang muss ich mich erstmal übergeben. Egal, das war es definitiv wert.

Tag 25 der WS, Otago Peninsula: Was soll ich sagen? Wale scheinen hier irgendwie doch rar zu sein. Wir machen uns also auf die Suche nach den kleineren Meerestieren, genau gesagt Pinguinen. Die Gegend rund um Dunedin beherbergt angeblich jede Menge Blue- und Yellow-Eyed Pinguine, die sich in mehreren Kolonien ansiedeln. Auf der Otago Peninsula stehen die Chancen gut, in den Abendstunden die putzigen Wesen dabei zu beobachten, wie sie den Ozean nach der Futtersuche verlassen, um zu ihren Rastplätzen zu kommen. In Begleitung von J. und J. steuere ich auf den Strand zu, leise natürlich. Dort angekommen gibt es gleich den ersten Dämpfer. Auf dem tiefgoldenen Sand liegt eine speckige Robbe und scheint tief und fest zu schlafen. Ob die schüchternen Tierchen dann überhaupt den Mut besitzen, das Wasser zu verlassen? Wir geben die Hoffnung nicht auf. J. positioniert sich in den Dünen, so dass ich nur noch seinen lichten Haarschopf im Gras sehen kann und der andere J. klettert den einzigen Berg hinauf, der weit und breit zu sehen ist. Was solls, ich bleibe wo ich bin und lasse mich im Gebüsch nieder. Meine Augen fixieren den Ozean, die Wellen sehen schon wieder auf wie hundert kleine Pinguine und es stellt sich langsam aber sicher das beruhigende Gefühl ein, auf ein Element zu gucken, dass immer dasselbe tut, egal was in der Welt passiert. Vielleicht geht es vor allem darum. Nicht, die größtmögliche Anzahl an wilden Tieren zu sehen. Sondern auf ihren Lebensraum zu schauen, die eigene Größe einzuordnen und Dankbarkeit dafür zu empfinden, die Zeit und Muße zu haben, nach den wunderbaren, scheuen, nicht einzuordnenden Wesen zu suchen, die die Meere bevölkern. Vielleicht werde ich aber auch nur poetisch, um mich zu trösten. Denn Pinguine haben wir natürlich nicht gesehen…

Happiness is only real when shared

Why do two souls sometimes connect with each other in the easiest way? Why are some people capable of reaching our core in such a short amount of time? I have been travelling for quite a while now and I have met hundreds of people over the past months. But from those hundreds, only a small fraction have given me that special feeling that occurs when everything just falls into place.
I meet these people and no small talk is needed. It seems we already know everything that might matter about one another. Without any bullshit we move directly to the things that are the most important to us in that very moment. They inspire me, impress me, give me a new perspective on old thoughts or just hold me and give me warmth when I need it.
Meeting them gives me the feeling that I am drawn towards them, as if there is kind of a magnetic force that takes away all the effort of a new encounter. They share my most intimate thoughts and right away, nothing else matters. These magic moments do not last for long. Most of the time we spend only a few hours together before our plans send us different ways. But all of these people mark my heart in a special and longlasting way.
Sure, I do not really know them, at least not all of them. But I do know that being with them is like sunspots hitting a spring forest. And to me that is beautiful.