Die Zeit danach. Oder dazwischen?

Das Problem nach einer Reise um die Welt ist: Es ist nicht mehr so wie davor. Ich bin wieder zu Hause und das schon seit zwölf Wochen. Die kaum zu ertragende Sehnsucht nach dem ständig-Neuen, das Vermissen der Reisepartner, die Unlust, nur noch Deutsch zu sprechen – all das ist weniger geworden. Ich habe mich wieder eingewöhnt, ich wohne wieder in derselben Wohnung wie vorher, fahre wieder dasselbe Auto und treffe meine alten Freunde. Alles Dinge, die ich extrem schätze und die ich brauche. Und doch sind diese Handlungen unterlegt mit einem neuen Gefühl. Es ist diffus und ich finde keinen Begriff, der zu hundert Prozent darauf passt. Es ist das Sehnen nach Freiheit, die Suche nach dem puren Ich, der Wunsch nach dem Unbekannten, dem intensiven Gefühl. Mein Geist will nicht akzeptieren, dass diese Art Glück nur temporär gewesen sein soll. Und es lässt mich nicht los, es treibt mich um, lässt mich schlecht schlafen.

Ich sitze in einem Büro und fühle einen übermächtigen Fluchtinstinkt in mir aufsteigen. Einfach weglaufen, alles zurücklassen, um zu finden, was mir fehlt. Ja, es ist irgendwie armselig und vielleicht ein Luxusproblem. Da gehe ich auf Reisen, sehe die Welt und bin mit nichts mehr zufrieden, wenn ich zurück komme? Ich habe mich nie für jemanden gehalten, dem so etwas passiert. Aber das Gefühl ist da und Glück lässt sich nicht einreden. Ich kann klar sehen, wie unfair es jenen vorkommen muss, die hier geblieben sind. Aber auch das ändert nur mein Verhalten und nicht das, was in meinem Herzen vor sich geht.

Es ist, als ob sich im Inneren etwas verschoben hat und ich keine Möglichkeit habe, das wieder rückgängig zu machen. Von dem Risiko hat mir niemand erzählt und ich glaube, das kennt auch keiner, der es nicht erlebt hat. Es gibt Reisen, von denen man nicht mehr ganz zurückkommt.