Vietnam – eine Bilanz

Wir sind zweieinhalb Wochen in diesem Land unterwegs gewesen und bevor wir morgen nach Kambodscha fahren, ist es Zeit für ein kurzes Fazit.
Das waren unsere Erwartungen: Ein wunderschönes, grünes Land mit Bergen, Buchten und Stränden. Leckeres Essen, eine reiche Geschichte und freundliche, hilfsbereite Menschen.

Das war unsere Realität:
Die Natur: Die Landschaft an sich ist wundervoll, es ist tatsächlich unheimlich grün und abwechslungsreich. Die Küstenregion rund um Hoi An wartet mit kilometerlangen Sandstränden und einem badewannenwarmen Meer auf, im Norden Richtung Sapa ragen die Berge bis zu 3000 Meter in die Höhe. Hier war es besonders faszinierend, dass bis zum Ende der Baumgrenze noch tropische Pflanzen und Palmen wachsen, im Unterschied zu den kahlen Nadelwäldern in den mitteleuropäischen Alpen.
Was das Paradies allerdings trübt, ist die Art und Weise wie die Menschen hier damit umgehen. Während in den Städten permanent gefegt und gewienert wird, achtet in der freien Natur kaum jemand auf den Umgang mit Abfall. Deswegen sind viele Orte (siehe Artikel zur Halong-Bucht Die Krux mit den Erwartungen) extrem dreckig.

Das Essen: Um ehrlich zu sein, möchte ich nach dieser Reise erstmal für längere Zeit kein Vietnamesisch essen. Ich hatte mir vorgenommen, auf Grund der Haltungsbedingungen in Asien kein Fleisch zu essen. In der vietnamesischen Küche ist das nicht unbedingt vorgesehen. Die besseren Restaurants haben zwar meistens eine kleine Auswahl an vegetarischen Gerichten, bei den Straßenimbissen oder in kleineren Lokalen ist es allerdings schwierig bis unmöglich. Ansonsten sind die Soßen, die Gewürze und die Art des Anrichtens (hier ist es beispielsweise üblich, kleine Garnelen ungeschält zu verzehren) schlicht und ergreifend nicht mein Geschmack. ABER: eine große Ausnahme bildet Hoi An. Die lokalen Spezialitäten sind unfassbar köstlich und es gibt auch viele fleischlose Angebote.

Geschichte: Die Geschichte der letzten 100 Jahre ist überall im Land mit Händen zu spüren. Auf der offiziellen Seite gibt es extrem viele Museen, die enorm viele Informationen bieten und noch dazu sehr billig sind. Daneben sind es vor allem die große Anzahl an Friedhöfen, Menschen mit amputierten Gliedmaßen auf den Straßen und das allgegenwärtige Bild von Ho Chi Minh, die klar machen, dass das Land eine geschundene Seele hat.
Doch nicht nur das Leid ist noch häufig zu sehen, es ist vor allem der Stolz, der offensichtlich ist. Während Saigon, das als Hauptstadt Südvietnams von US-amerikanischer Führung geprägt war, sehr kosmopolitisch auftritt und mit bekannten Ketten wie McDonalds etc. aufwartet, bietet die jetzige Hauptstadt Hanoi ein anderes Bild. Hier ist der Kommunismus viel lebendiger und westliche Einflüsse nur sehr gering sichtbar. Während die Innenstädte westlicher Großstädte immer mehr zum Einheitsbrei verkommen, ist es interessant zu sehen, dass es auch anders geht.

Die Menschen: Es hat uns sehr beschäftigt, wie wir die Menschen, die wir auf unserer Reise durch Vietnam erlebt haben, beschreiben sollen. Wir haben ziemlich schnell festgestellt, dass aus unserer subjektiven Sicht heraus eine Unterteilung getroffen werden muss. Zunächst unser genereller Eindruck: Die Menschen sind nicht besonders freundlich. Viele wollen einem etwas verkaufen und wenn man es nicht nimmt, werden sie durchaus richtig sauer. Es ist schwierig, Vertrauen zu schenken, weil es gut sein kann, dass man übers Ohr gehauen wird. Zumal die Verständigung sehr schwierig ist, da viele praktisch kein Englisch sprechen. Aus unserer Sicht von zwei jungen weiblichen Reisenden müssen wir auch sagen, dass wir uns in Gegenwart der meisten Männer recht unwohl gefühlt haben.
Und da wir schon bei Geschlechtern sind, komme ich gleich zu der Gruppe, die ich separat einschätzen möchte: die jungen Vietnamesinnen. Jede, die wir getroffen haben, war unfassbar freundlich, lustig, hilfsbereit und gebildet. Sich mit diesen Frauen auszutauschen war eine echte Bereicherung und ich glaube, dass ein Ruck durch Vietnam gehen wird, wenn sie erstmal in einflussreicheren Positionen sind.

Es ist natürlich klar, dass das alles nur unsere subjektiven Meinungen sind. Es ist zwar ehrlich, beansprucht aber natürlich nicht das Recht auf die absolute Wahrheit. Wir haben viele getroffen, die die Dinge anders sehen als wir und das ist gut so. Wir haben die Zeit in Vietnam trotz der Tatsache, dass manches anders war als erwartet, sehr genossen. Jetzt sind wir gespannt auf Kambodscha und Thailand!

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