Der Kampf ist weiblich

Wild und stark sieht sie aus in ihrer grünen Uniform, die Haare zu zwei festen Zöpfen geflochten und ihr Blick, der nichts Zartes an sich hat, geht direkt in die Kamera. Über 300 feindliche Soldaten starben während des Vietnamkrieges durch die Hand von Generälin Nguyen, deren Bild jetzt im Frauenmuseum mitten in Hanoi hängt. „Vietnam wird auch das ‚Land der Frauen‘ genannt“, erklärt die junge Touristenführerin Hang. „Während und nach dem Krieg wurden viele von ihnen zu nationalen Helden erklärt, die nicht nur militärisch sondern auch humanitär enorm viel geleistet haben.“ Mit 22 Jahren gehört die Vietnamesin zu der Generation, die mit den Legenden dieser Kriegsheldinnen aufwuchsen. Ihre zierliche Figur und ihre leise Stimme lassen anderes vermuten, doch wenn sie anfängt, von den Rechten der Frauen in ihrem Land zu erzählen, wird schnell klar: Starker Willen hat nichts mit der körperlichen Präsenz zu tun. „Der Krieg hat die Rolle der Frauen verändert – doch nicht genug. Wir haben zwar eine Vizepräsidentin, aber immer noch haben Vietnamesinnen schlechtere Jobs und Bezahlung als ihre Männer“, erklärt Hang, die an der Hanoier Universität Tourismus studiert. In ihrer Freizeit bietet sie Touristen unentgeltliche Touren durch ihre Stadt an, um ihnen die vietnamesische Kultur und Geschichte zu zeigen. Dabei ist das Frauenmuseum im Botschaftsviertel ihr liebstes Ziel: „Für mich ist es eines der schönsten und wichtigsten Museen in Vietnam, vielleicht sogar in ganz Asien.“ Besucher können neben den Kriegsheldinnen auch die modischen Entwicklungen des letzten Jahrhunderts und die Stellung der Frau in den ethnischen Minderheiten betrachten. „Eine der größten Volksgruppen sind die Hmong. Hier müssen die Frauen noch heute Angst haben, dass sie von potenziellen Ehemännern entführt werden. Sie sind dann gezwungen, ein paar Tage in seinem Haus verbringen und danach können sie entscheiden, ob sie ihn zum Mann nehmen,“ erklärt Hang. Obwohl es sich so anhört, dass die Frauen in diesem Fall die Wahl haben, sieht sie es nicht so: „Der gesellschaftliche Druck auf Frauen ihrer Stellung als Ehefrau und Mutter gerecht zu werden, ist in ganz Vietnam recht groß. Doch bei den Minderheiten ist es oft noch viel stärker und die wenigsten trauen sich, einen solchen Antrag abzulehnen.“ Sie selbst gehört zu den Viet, die den größten Bevölkerungsanteil in Vietnam bilden. Während die Praxis der Zwangsverheiratung in ihrer Kultur in den letzten Jahren verschwunden ist, sieht Hang noch immer großen Handlungsbedarf. „Gerade in den ländlichen Gebieten ist häusliche Gewalt an der Tagesordnung. Die meisten männlichen Vietnamesen trinken gerne und viel Alkohol, das hat oft unschöne Folgen. Und unser System bietet Frauen zu wenig Möglichkeiten, sich dagegen zu schützen.“
Neben Generälin Nguyen hängt unter anderem ein weiteres Foto, das eine sehr junge Frau mit kindlichen Gesichtszügen zeigt. Sie hat mit 14 Jahren begonnen, für die Freiheit ihres Landes zu kämpfen und wurde kurz vor ihrem 18. Geburtstag exekutiert. Hang guckt nachdenklich auf das Gesicht der kleinen Kriegerin: „Frauen haben hier mindestens ebenso viel für unsere Freiheit geleistet wie die Männer. Warum sollten wir jetzt aufhören zu kämpfen?“

Nach dem Vietnamkrieg verlieh die Regierung jenen Frauen, die ihre Kinder in den Kämpfen verloren hatten, den Titel "Heroische Mütter von Vietnam"

Nach dem Vietnamkrieg verlieh die Regierung jenen Frauen, die ihre Kinder in den Kämpfen verloren hatten, den Titel „Heroische Mütter von Vietnam“

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